Jede Industrie hat entscheidende Momente. Oft werden solche Momente durch technologische Innovation beeinflusst. Manchmal aber bestimmen politische, soziale oder umweltbezogene Ereignisse die Richtung eines Industriebereichs. Die bevorstehende Fertigstellung der Nickelrisikobeurteilung der europäischen Union ist ein solches Ereignis.
In diesem Zusammenhang möchte ich Folgendes erwähnen: Vor kurzem wurden wir von einem Kunden gebeten, die Entwicklung von Nickellegierungen in den letzten 60 Jahren darzustellen. Wir gaben diese Bitte an Don Tillack, einen unserer metallurgischen Berater in den USA, weiter, der unser Ansuchen mit folgender übersichtlicher chronologischer Zusammenfassung beantwortete:
1940 - 1950 -- Die wahrscheinlich bedeutendste Entwicklung einer Nickellegierung der vierziger Jahre war N07750, mit der Werkstoffe in frühen Testflugzeugen den hohen Temperaturen und Spannungen in Düsentriebwerken standhalten konnten, die für Überschallflüge benötigt wurden.
1950 - 1960 -- In den fünfziger Jahren wurde N08800, eine Nickellegierung mit einem geringeren Nickelanteil, entwickelt, weil Nickel während des Koreakrieges knapp war. Diese Legierung wurde danach in vielen verschiedenen Anwendungen in unterschiedlichen Industriesektoren verwendet.
1960 - 1970 -- Die größte Entwicklung der sechziger Jahre war N07718, eine aushärtbare Superlegierung, die schnell von Gasturbinenherstellern für die anspruchsvollen Hochtemperaturmotorkomponenten verwendet wurde. Die Legierung wird nach wie vor weitgehend in diesen Anwendungen eingesetzt und macht etwa ein Drittel des Motorgewichts aller in Nordamerika hergestellten Gasturbinen aus.
1970 - 1980 -- In den siebziger Jahren wurde das mechanische Legieren eingeführt. Die erfolgreichste Legierung, die unter Anwendung dieses Prozesses entstand, war N07754. Diese Legierung wurde wegen ihrer hohen Festigkeit bei hohen Temperaturen in Gasturbinenmotoren für Düsenjäger verwendet.
1980 - 1990 -- In den achtziger Jahren wurde die weitere Verfeinerung der Nickel-Chrom-Molybdän-Legierungen für Antikorrosionszwecke mit der Einführung der Legierung N06022 durch Haynes fortgesetzt.
1990 - 2000 -- In den neunziger Jahren wurden viele Legierungssysteme weiter verbessert, und Legierungen, die man für fortgeschrittene Schmelztechniken, wie z. B. Einzelkristalle, entwickelte, wurden weiter verfeinert.
In der Übersicht wird die Entwicklung aus der Sicht des Fachmanns für Hochtemperaturlegierungen aus beschrieben. Es zeigt sich, wie frühe Legierungsinnovationen durch militärische Anforderungen angetrieben wurden. Es ist ermutigend, dass heute auch Gesichtspunkte der Umwelt und Lebensqualität zu den Antreibern gehören. Die Ankündigung einer neuen Superlegierung auf Seite 5 zum Beispiel macht klar, dass Nickellegierungen eine Rolle zu spielen haben, indem sie den Nutzen einer endlichen Ressource erweitern und die Umweltverschmutzung verringern. Deshalb wird das gegenwärtige Jahrzehnt möglicherweise als eine Zeit in Erinnerung bleiben, in der öffentlich rechtliche Vorschriften begannen, die technologische Innovation zu beeinflussen. Wenn wir uns in 5 Jahren wieder an Don Tillack wenden, liest sich seine Zusammenfassung für dieses Jahrzehnt vielleicht so:
2000 - 2010 -- Entwicklungen in der Legierungsindustrie wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts dadurch beeinflusst, dass man sorgfältig darauf achtete, wie menschliche Handlungen sich auf den Planeten und die Gesundheit der Bevölkerung auswirken. Sei es durch das Kyotoprotokoll oder die Nickelrisikobeurteilung in der Europäischen Union, das Umfeld, in dem Legierungen entwickelt wurden, änderte sich. Marktgesteuerte Belohnungen und richtlinienbedingte Herausforderungen existierten nebeneinander.
Ein erwartetes Ergebnis der EU-Risikobeurteilung werden neue Richtlinien zur Gesundheit am Arbeitsplatz sein. Um langfristig eine Balance zu gewährleisten, muss die gesamte Nickelversorgungskette sicherstellen, dass die Vorteile von nickelhaltigen Werkstoffen von der Gesellschaft verstanden werden. Dafür muss die gesamte Nickelversorgungskette gemeinsam eine koordinierte Anstrengung bei der Informationsverbreitung unternehmen.
Das Nickel Institute unterhält eine Website, die Sie zu diesem wichtigen Thema informiert:
www.nickelforum-eura.org