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Stents aus Nickel und Titan werden bei Patienten und Ärzten immer beliebter.
Nickel magazine, Juni. 02 -- Der Markt für Stents und ähnliche Vorrichtungen aus Nickel-Titan, mit deren Hilfe Blutgefäße offen gehalten werden, wächst, während Ärzte und ihre Patienten nach weniger invasiven medizinischen Verfahren suchen und die Technik gleichzeitig die Verfahren für die Implantation der Stents verbessert.
Stents sind winzige Röhrchen aus Drahtgeflecht, die verwendet werden, um geschädigte oder verstopfte Arterien aufzuspreizen. In den meisten Fällen wird der Stent über einen Ballonkatheter gezogen, der dann bis an die verstopfte Stelle im Gefäßsystem vorgeschoben wird. Sobald dann der Ballon aufgeblasen wird, erweitert sich der Stent und bildet ein Gerüst, das die Arterie offen hält und mehr Blut durch das Gefäß fließen lässt. Der Stent verbleibt auf Dauer in der Arterie. Nachdem die Luft wieder aus dem Ballon gelassen wurde, kann der Katheter aus dem Gefäß gezogen werden.
Ein neues Verfahren zur Behandlung von Aneurysmen der Bauchaorta, der größten Arterie des Körpers, erleichtert die Implantation von Stents durch den Gebrauch einer sich selbst erweiternden Vorrichtung. Aneurysmen der Bauchaorta können - wie eine schadhafte Stelle an einem Autoreifen - mitunter durchbrechen. Derartige Aneurysmenrupturen töten allein in den Vereinigten Staaten jedes Jahr etwa 15.000 Menschen. Das Stentverfahren erweist sich zunehmend als weitaus weniger invasive Alternative zu jenen chirurgischen Eingriffen im Bauchraum, die üblicherweise durchgeführt wurden, um Aortenaneurysmen zu behandeln.
In diesem speziellen Fall wird ein Katheter in die Oberschenkelarterie des Patienten eingeführt und dann bis zur Aorta vorgeschoben. Dann wird der Stent auf der Spitze eines Drahtes durch den Katheter bis an die Stelle der Aorta geführt, an der sich das Aneurysma befindet. Dort dehnt sich der Stent durch die Körperwärme aus.
Im letzten Jahr haben die Chirurgen der Mayo Clinic in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota das einhunderste Aortenaneurysma unter Verwendung dieses Verfahrens behandelt. Zwei der verschiedenen Arten von Stents, die von den Chirurgen der Mayo Clinic verwendet werden, bestehen aus Nitinol, einer Nickel-Titan-Legierung mit Formgedächtniseffekt. Einer der Stents, das AneuRx Stent-Graft-System von Medtronic, wurde 1999 von der Food and Drug Administration zugelassen.
"[Das Stent-Graft-Sytem] ist insofern ein wirklicher Durchbruch, als es dem Patienten wesentliche Vorteile bietet", erklärt Christopher Zarins, Arzt und Leiter der Gefäßchirurgie an der Stanford University School of Medicine, der den AneuRx-Stent im klinischen Versuch beurteilte. "Das Verfahren ist genauso wirksam wie offene Chirurgie, und die Patienten, die den AneuRx-Stent erhielten, wiesen darüber hinaus weniger Komplikationen auf, mussten weniger lang im Krankenhaus bleiben und erholten sich rascher."
Stents werden zwar aus verschiedenen Werkstoffen einschließlich Edelstahl Rostfrei erzeugt, doch erweist sich Nitinol zunehmend als Werkstoff der Wahl für einige spezielle Anwendungen, da diese Legierung in der Lage ist, ihre Form als Reaktion auf thermische oder mechanische Veränderungen zu ändern und sich durch ein hohes Maß an Flexibilität auszeichnet. Ein Stent aus Nitinol, der durch Kühlen in eine kompakte Form gebracht wurde und in ein Blutgefäß eingeführt wird, kehrt langsam zu seiner erweiterten Form zurück, sobald er der Körperwärme ausgesetzt ist. Dadurch werden allfällige mit der Platzierung des Stents verbundene Traumen verringert.
Zu den Eigenschaften, die Nitinol zum Werkstoff der Wahl für derartige medizinische Anwendungen machen, zählen ein hohes Belastungsplateau (450 Megapascal bei 3% Spannung), eine geringe permanente Verformbarkeit (0,2 % bei 6% Spannung) und Transformationstemperaturen im Bereich von 5 bis 18°C. Die Legierung enthält etwa 50 - 60 Gewichtsprozent Nickel, der übrige Anteil entfällt auf Titan.
Die Leitdrähte, die durch den Katheter geführt und zur Platzierung des Stents verwendet werden, profitieren ebenfalls von den superelastischen Eigenschaften des Nitinol. Einen Katheter in ein Blutgefäß vorzuschieben fühlt sich etwa so an, als wolle man eine feuchte Nudel in die Ader fädeln. Deshalb bietet ein Leitdraht, der sich nicht biegt und nicht abknickt, sondern in seine Form zurückkehrt, beträchtliche Vorteile.
Neben der Aorta können Stents aus Nitinol auch für die Behandlung anderer Körperteile wie der Speiseröhre, des Harntrakts und der Leber verwendet werden. Cordis Endovascular, einer der weltgrößten Hersteller von medizinischen Geräten aus Formgedächtnislegierungen, hat unlängst einen Stent aus Nitinol für die Behandlung von lebensbedrohlichen Verlegungen der Gallengänge vorgestellt. Zu den übrigen Unternehmen, die Stents aus Nitinol anbieten, gehören die Boston Scientific Corp., Cook Inc., Endocare Inc., die Guidant Corp. und die Memry Corp.



